Didaktik des forschenden und entdeckenden Lernens

mascil basiert auf der Ansicht, dass forschendes Lernen viele Vorteile mit sich bringt, aber dass sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen diese Herangehensweise als herausfordernd ansehen. Hier spricht die mascil-Partnerin Suzanne Kapelari über ihr persönliches Verständnis von mascil.

Ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf den Ansatz des forschenden und entdeckenden Lernens ist, was wir mit „forschend (inquiry)“ eigentlich meinen. Der Eurydice-Bericht Naturwissenschaftlicher Unterricht in Europa: Politische Maßnahmen, Praktiken und Forschung (Eurydice, 2011a) erläutert den Begriff des forschenden Lernens genauer und gibt u.a. Folgendes an:

„Ein Modell für den Umgang mit den unterschiedlichen Formen der „inquiry“-Ansätze ist der Vorschlag von Bell et al. (2005). Sie beschreiben ein Modell, das vier „inquiry“-Kategorien umfasst, welche sich darin unterscheiden, dass sie den Schüler/innen eine unterschiedliche Menge an Informationen zur Verfügung stellen. Die erste Kategorie, bezeichnet als „confirmation inquiry“, ist die am stärksten Lehrer/innen-orientierte Methode, bei der den Schüler/innen die meisten Informationen an die Hand gegeben werden; die anderen Kategorien sind „structured inquiry“, „guided inquiry“, und „open inquiry“. Auf der Ebene des „confirmation inquiry“ kennen die Schüler/innen das erwartete Ergebnis; am anderen Ende der Skala („open inquiry“) formulieren die Schüler/innen Fragen, wählen Methoden und schlagen eigenständig Lösungen vor.“ (S. 72)

Im selben Bericht wird jedoch auch Barrow zitiert, der zu bedenken gibt:

„Inquiry ist ein gewaltiges Forschungsgebiet, und noch besteht keinerlei Konsens darüber, was inquiry ausmacht.“ (S. 107)

Grundlegend geht es beim forschenden Lernen darum, die natürliche Neugier der SchülerInnen auf die Welt und die Ideen, die sie dort finden, zu nutzen. Am Arbeitsplatz kann dies z. B. bedeuten, dass sie beobachten und Fragen zu bestimmten Situationen stellen. Wenn ihre Fragen zu komplex sind, könnten sie versuchen, die Situation zu vereinfachen oder nachzubilden. Vielleicht versuchen sie ihren Fragen nachzugehen, indem sie Daten sammeln und analysieren, Fakten darstellen, und einen Zusammenhang mit dem herstellen, was sie bereits wissen. schließlich werden sie versuchen, ihre Ergebnisse zu interpretieren, zu beurteilen, ob sie korrekt und nachvollziehbar sind, und mit den Ergebnissen der anderen vergleichen.

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Dieser Prozess findet im Unterricht häufig nicht statt, denn die Lehrkraft weist normalerweise darauf hin, was zu beobachten ist, stellt die Fragen, führt die anzuwendenden Methoden vor und prüft dann die Ergebnisse. Die SchülerInnen sollen nur den Anweisungen folgen.

Dieser Bereich umfasst Module, die dazu anregen:

  • Auf abstrakter Ebene über forschendes Lernen nachzudenken;
  • Nachzuspüren, wie es sich anfühlt, Aufgaben nach dem Ansatz des forschenden Lernens zu bearbeiten;
  • Über die Rollenverschiebungen nachzudenken, die erforderlich sind, damit die SchülerInnen diese Erfahrung im Unterricht gemeinsam machen können.

Wir schlagen vor, dass Sie ein oder mehrere Module durcharbeiten und sich Forschungsfragen überlegen, die sich auf den Einsatz effektiver Ansätze des forschenden Lernens im Unterricht beziehen. Die Gruppe könnte zum Beispiel die unterschiedlichen Reaktionen ihrer SchülerInnen erforschen, was die Auseinandersetzung mit dem Thema und den Lernerfolg angeht, wenn sie offene im Unterschied zu herkömmlichen Aufgaben bearbeiten. Vielleicht wollen die LehrerInnen aber auch etwas Spezifischeres untersuchen, wie z.B. die Sprache, die die SchülerInnen verwenden, wenn sie sich mit einer offenen Aufgabe beschäftigen.