Modul IF-3: Praktische Hinweise für den Unterricht zum Problemlösen

download_powerpointIn dieser Aktivität geht es um die altbekannten Schwierigkeiten, die im Unterricht zum Problemlösen in der Mathematik auftreten. Die LehrerInnen diskutieren darüber, was sie beim Unterricht zum Problemlösen schwierig finden und was bei ihnen gut funktioniert hat, ehe sie einige forschungsbasierte Strategien erörtern.

Viele Lehrkräfte finden es herausfordernd, Unterrichtsstunden zum Problemlösen zu halten – zum Teil, weil es schwierig vorherzusagen ist, wie die SchülerInnen damit umgehen, und zum Teil, weil sie es schwierig finden, die SchülerInnen nach eigenen Herangehensweisen suchen zu lassen.

LehrerInnen sind sich oft unsicher, zu welchem Zeitpunkt sie SchülerInnen ihre Hilfe anbieten sollen. Wenn dies zu früh geschieht, nehmen sie den SchülerInnen die Gelegenheit zu erleben, wie es ist auf unfruchtbaren Boden zu stoßen oder aus eigenem Antrieb zu einer Lösung zu gelangen. Wenn sie ihre Hilfe zu spät anbieten, kann es passieren, dass SchülerInnen an einem Problem verzweifeln, sich langweilen und sich nicht mehr auf die Aufgaben einlassen wollen.

Bruner verwendet den Ausdruck des „scaffolding”, um die konstruktive Hilfestellung der Lehrkraft zu beschreiben. (D. Wood, Bruner, & Ross, 1976). Der Lehrer/die Lehrerin ermutigt die SchülerInnen, möglichst viel ohne seine Hilfestellung zu erreichen und leistet nur ein Mindestmaß an Hilfestellung. Dabei hat die Hilfestellung folgende Funktionen: Komplexität reduzieren, durch Fragen Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Aspekte lenken, Modelle für die Lösung der Aufgabe liefern. Während seiner Arbeit mit Kindern hat Wood (1988) verschiedene Ebenen des „scaffolding” beschrieben – von direktiver Steuerung bis nicht-direktiver Steuerung im Unterricht: allgemeine verbale Unterstützung, konkrete verbale Unterstützung, Komplexität der Aufgabe reduzieren und Modelle für die Lösung der Aufgabe liefern.
Wood führte zudem zwei Regeln der Kontingenz ein:

„Nachdem ein Kind trotz Hilfestellung an einer Aufgabe gescheitert zu sein scheint, sollte möglichst zeitnah eine intensivere Unterstützung durch die Lehrkraft erfolgen. Der Erfolg wird sichtbar, wenn das Kind bei einer weiteren Hilfestellung ein geringeres Maß an Unterstützung bedarf als zuvor und somit Schritt für Schritt unabhängiger von der Unterstützung der Lehrkraft wird.“ Wood (1988)

Der Kerngedanke ist, dass das „scaffolding“ Schritt für Schritt reduziert wird und die SchülerInnen an Unabhängigkeit gewinnen.

teamworkStoßen Sie nun eine Diskussion mit den Lehrkräften an. Regen Sie sie dazu an, sich über Ihre Meinung zum Problemlösen im Unterricht auszutauschen. Was empfinden sie als Herausforderung? Warum? Was funktioniert gut? Wenn die in der Einführung (s.o.) aufgeführten Punkte in der Diskussion nicht alle genannt werden, sprechen sie diese zum Schluss selbst an.

teamwork Das Handout „Praktische Ratschläge“ erläutert einige praktische Strategien für den Einsatz von unstrukturierten Aufgaben im Unterricht. Lassen Sie die Lehrkräfte in kleinen Gruppen zusammenarbeiten und geben Sie jeder Gruppe ein Handout. Lassen Sie sie

  • darüber diskutieren, welche Strategien sie am schwierigsten umzusetzen finden; und
  • über Beispiele nachdenken, was sie zu den SchülerInnen sagen könnten; diese Beispiele können sie in die rechte Spalte eintragen.

teamworkBringen Sie die Gruppe wieder zusammen und lassen Sie jede Gruppe eine oder zwei Ideen vorstellen. Regen Sie die Lehrkräfte dazu an, alle Ideen, die ihnen gefallen, auf ihrem Handout zu notieren.

Lassen Sie die Lehrkräfte zum Schluss darüber nachdenken, wie sie eine neue Strategie in ihrem Unterricht zum Problemlösen einsetzen könnten. Bitten Sie sie, diese neue Strategie zu testen und in der nächsten Fortbildungssitzung darüber zu berichten.